Letzte Woche war ich bei einer Katze, die seit Monaten weniger fraß als früher. Der Besitzer hatte das auf das Alter geschoben: sie war dreizehn, was soll man erwarten. Ich schaute ins Maul. Drei Zähne mit schweren Resorptionsläsionen, eine Stomatitis, die schon die hintere Maulschleimhaut erfasst hatte. Das Tier hatte still gelitten. Nicht weil der Besitzer gleichgültig gewesen wäre, sondern weil Katzen Schmerzen im Maul meisterhaft verbergen.

Das ist der Grund, warum ich so arbeite, wie ich arbeite.

Wenn ich gefragt werde, was ich mache, sage ich: Ich bin mobile Tierärztin im Landkreis Starnberg. Das stimmt, aber es erklärt wenig. Hinter diesem Satz steckt ein medizinisches Spektrum, das viele Tierhalter überrascht, von der Zahnchirurgie und präzisen Gewebediagnostik bis zur Narkoseführung auf humanmedizinischem Niveau. Ich möchte Ihnen heute zeigen, was das konkret bedeutet, und warum mir diese Breite wichtig ist.

Das Maul: der am häufigsten übersehene Ort

Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Hunde und 70 Prozent der Katzen bereits ab dem zweiten Lebensjahr Anzeichen von Parodontitis aufweisen (Niemiec et al., WSAVA Global Dental Guidelines, Journal of Small Animal Practice, 2020). Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnhalteapparats, also des Gewebes, das den Zahn im Kiefer verankert. Sie beginnt unsichtbar unter dem Zahnfleischrand, frisst sich in den Knochen vor und ist für das Tier chronisch schmerzhaft, lange bevor sie von außen sichtbar wird.

Trotzdem ist die Mundhöhle der Teil des Körpers, der bei Vorsorgeuntersuchungen am häufigsten übergangen wird. Tiere verbergen Schmerzen im Maul meisterhaft. Ein Hund, der frisst, spielt und normal wirkt, kann gleichzeitig unter einem schwelenden Wurzelabszess leiden, der sich seit Monaten unbemerkt in den Kieferknochen gearbeitet hat.

Mein Anspruch beginnt deshalb mit dem Maul. Zahnsteinentfernung ist dabei der sichtbarste, aber nicht der wichtigste Teil. Was mich wirklich interessiert, ist das, was unter der Zahnfleischgrenze passiert. Dafür arbeite ich mit digitalem, intraoralem Zahnröntgen: Aufnahmen, die direkt im Maul entstehen und jeden einzelnen Zahn in seiner vollen Länge zeigen, Wurzel eingeschlossen. Knochenabbau, Resorptionen an der Wurzeloberfläche, apikale Entzündungsherde, die sich als dunkle Aufhellungen um die Wurzelspitze darstellen: all das ist mit dem Auge nicht zu sehen. Mit dem Röntgenbild schon.

Besonders bei Katzen lohnt dieser Blick. Feline Resorptionsläsionen, in der Fachliteratur als FORL bezeichnet, Feline Odontoclastic Resorptive Lesions, befallen zwischen 20 und 75 Prozent aller Katzen, je nach untersuchter Population (Niemiec et al., WSAVA Global Dental Guidelines, Journal of Small Animal Practice, 2020). Dabei zerstören körpereigene Osteoklasten, Zellen die eigentlich für den normalen Knochenumbau zuständig sind, die Zahnhartsubstanz von innen. Mit dem bloßen Auge sind viele dieser Läsionen nicht erkennbar: die klinische Untersuchung ohne Röntgen erfasst nur etwa 36 Prozent der betroffenen Zähne (Eriksson et al., Journal of Small Animal Practice, 2024). Was das bedeutet: Wer nicht röntgt, behandelt am falschen Bild.

Auf dieser Grundlage entscheide ich, was mit einem Zahn passiert. Wenn die Wurzel intakt ist und die Beschädigung auf Schmelz und Dentin beschränkt bleibt, kann ich den Zahn erhalten. Ich arbeite mit modernen Komposit-Füllungen, lichtgehärteten Kunststoffmaterialien aus der Humanmedizin, die schichtweise aufgebaut werden. Die Kavität wird ausgeräumt, desinfiziert, mit einem Haftvermittler konditioniert und dann befüllt. Das klingt nach Routine. Ist es aber nicht, denn das Arbeitsfeld muss absolut trocken sein, die Narkosezeit ist begrenzt, und jeder Schritt muss sitzen. Ich halte das für eine der anspruchsvollsten Aufgaben in meiner täglichen Arbeit.

Wenn ein Zahn trotzdem nicht zu retten ist, dann nicht weil wir aufgegeben haben, sondern weil die Extraktion das Richtigere ist. Eine tief in die Pulpa reichende Fraktur, ein Wurzelapparat, der durch Resorption mehr als zur Hälfte zerstört ist, ein Zahn ohne jeden stabilen Halt: In diesen Situationen befreit eine sorgfältige Extraktion das Tier von einem Schmerzfaktor, den es still ertragen hat. Dass Tiere nach Zahnextraktionen oft merklich aufgeweckter und vitaler wirken, ist kein Zufall. Chronischer Schmerz zieht Energie ab, auch wenn man ihn nicht sieht.

Entzündungen der Maulschleimhaut und des Zahnfleischs, medizinisch als Gingivitis und Stomatitis bezeichnet, behandle ich sowohl durch chirurgische Maßnahmen als auch durch gezielte antiseptische Lokaltherapie und, wenn nötig, systemische Begleitbehandlung. Besonders Katzen neigen zu chronischen Stomatitiden. Ohne konsequente Therapie werden sie zur echten Lebensqualitätsbremse.

Innere Erkrankungen: die Kunst der richtigen Frage

Ein Tier, das nicht mehr so viel trinken will, nachts unruhig ist, oder einfach nicht mehr so ist wie früher: Das sind die Fälle, die ich besonders schätze. Nicht weil sie einfach wären, sondern weil sie genau das verlangen, was Tiermedizin ausmacht: eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche klinische Untersuchung und die Fähigkeit, aus diffusen Signalen eine belastbare Hypothese zu formen.

Innere Erkrankungen betreffen Organe, die sich nicht direkt zeigen. Hyperthyreose, also Schilddrüsenüberfunktion, präsentiert sich bei der Katze oft als Gewichtsverlust trotz gutem Appetit und erhöhter Herzfrequenz. Chronische Niereninsuffizienz beginnt schleichend: Hunde und Katzen kompensieren den Funktionsverlust lange, bevor Laborwerte kritisch werden oder die Tiere klinisch auffällig werden. Diabetes mellitus fällt manchmal erst auf, wenn das Tier schon wochenlang vermehrt trinkt und uriniert, bevor jemand den Zusammenhang herstellt. Ich finde diese diagnostischen Zusammenhänge faszinierend, und ich nehme mir die Zeit, sie durchzudenken, weil ein früh erkanntes Problem ein behandelbares Problem ist.

Chronische Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen, Morbus Addison, also eine Unterfunktion der Nebennierenrinde, oder entzündliche Darmerkrankungen begleite ich langfristig mit individualisierten Therapieplänen, regelmäßigen Kontrollen und ehrlichen Gesprächen über Prognosen und Lebensqualität.

Chirurgie: Sorgfalt ist keine Option, sie ist Voraussetzung

Kastrationen gehören zu den häufigsten Eingriffen in meiner Praxis, und genau deshalb nehme ich sie besonders ernst. Eine Kastration ist nur dann eine Routine, wenn sie gut vorbereitet ist. Das bedeutet: Bluttest vor dem Eingriff, individuelle Narkoseplanung, saubere sterile Technik und ein Monitoring, das keine Lücken lässt.

Ich führe Kastrationen bei Hündinnen, Katern, Rüden und Kätzinnen durch, ebenso Kryptorchidektomien, also die Entfernung von Hoden, die sich nicht regelgerecht in den Hodensack abgesenkt haben. Kryptorchide Hoden degenerieren mit der Zeit und tragen ein deutlich erhöhtes Entartungsrisiko. Wer wartet, riskiert mehr.

Wundversorgung ist ein weiteres tägliches Thema. Bissverletzungen sehen von außen oft harmlos aus und sind es innen selten. Die Haut verschließt sich schnell über einem Kanal, in dem sich Keime ausbreiten. Ich öffne, spüle, débridiere, also entferne abgestorbenes und nekrotisches Gewebe, und schließe so, dass Drainage und Heilung gewährleistet sind. Oberflächliche Risse nähe ich, tiefe Lazerationen versorge ich mehrschichtig. Bei infizierten Wunden nehme ich einen Abstrich für die bakteriologische Diagnostik.

Weichteilchirurgie am Abdomen, an der Haut und an Lymphknoten sowie die Entfernung von Tumoren gehören ebenfalls zu meinem Spektrum. Für Tumorentfernungen an empfindlichen Lokalisationen setze ich Laserchirurgie ein. Der CO2-Laser schneidet präziser als ein Skalpell, koaguliert gleichzeitig die Blutgefäße und reduziert die postoperative Entzündungsreaktion spürbar. Heilungszeiten verkürzen sich erfahrungsgemäß, das Schnittbild bleibt in der Regel sauberer. Bei Tumoren der Maulschleimhaut, der Augenlider oder bei Resektionen in stark durchbluteten Bereichen ist das ein echter klinischer Vorteil.

Jede entfernte Gewebemasse, bei der die Dignität, also die Gut- oder Bösartigkeit, nicht eindeutig klar ist, schicke ich zur histopathologischen Auswertung an Laboklin. Ein Bericht über das Gewebe unter dem Mikroskop ist keine Vorsichtsmaßnahme. Er ist die einzige Methode, die eine sichere Aussage erlaubt.

Anästhesie: der unsichtbare Teil, der alles trägt

Jeder chirurgische Eingriff ist nur so sicher wie die Narkose, die ihn trägt. Das ist der Grundsatz, nach dem ich arbeite.

Mein Anästhesieprotokoll orientiert sich an humanmedizinischen Standards. Vor jedem Eingriff steht eine präanästhetische Untersuchung mit Risikoklassifizierung nach dem ASA-Schema, der American Society of Anesthesiologists-Klassifikation, die den körperlichen Zustand des Patienten vor der Narkose in fünf Kategorien einteilt und die Wahl der Mittel direkt beeinflusst. Dazu kommt ein Bluttest, den ich grundsätzlich vor jeder Narkose empfehle. Nieren und Leber müssen das Narkosemittel verstoffwechseln. Wer das nicht prüft, fliegt blind.

Für kürzere Eingriffe verwende ich eine Injektionsnarkose mit reversibler Sedierung: Das Tier wird mit einem Kombipräparat aus Sedativum und Analgetikum sediert, der Eingriff findet statt, und anschließend wird die Sedierung durch eine gezielte Aufwachspritze aktiv aufgehoben. Die Erholungsphase ist deutlich kürzer als nach einer Vollnarkose, das Tier ist schneller wieder orientiert und stabil.

Für alle größeren Eingriffe, Kastration, Zahnsteinentfernung mit Extraktion, Tumorentfernung, führe ich eine vollständige Ateminhalationsnarkose mit Isofluran durch. Das Tier wird intubiert, beatmet und während der gesamten Operation kontinuierlich überwacht: Herzfrequenz und Herzrhythmus per EKG, Sauerstoffsättigung per Pulsoximetrie, Atemfrequenz, Kapnographie und Körpertemperatur. Die Kapnographie, also die Messung des ausgeatmeten Kohlendioxids, ist das direkteste verfügbare Maß dafür, ob das Tier ausreichend beatmet wird und ob Kreislauf und Stoffwechsel stabil bleiben. Körpertemperatur ist unter Narkose kein Nebenwert: Tiere kühlen schnell aus, wenn man nicht aktiv gegensteuert, und Hypothermie verlängert die Aufwachphase und erhöht das Komplikationsrisiko. Dieses Monitoring ist kein Standard, den man unterschreiten kann. Es ist die Grundlage, auf der ich eingreife, bevor ein Problem zum Notfall wird.

Diagnostik über das Sichtbare hinaus: Labor und Bildgebung

Ich arbeite für alle Laboruntersuchungen mit Laboklin, einem der führenden veterinärmedizinischen Referenzlabore in Europa mit Sitz in Bad Kissingen. Auswertungen finden auf dem aktuellen Stand der Veterinärpathologie statt, mit klaren Referenzbereichen, Kommentaren der Fachpathologen bei auffälligen Befunden und kurzen Laufzeiten. Ergebnisse liegen in der Regel am nächsten Werktag vor.

Das Spektrum umfasst das große Blutbild mit Differenzialblutbild, Organwerte für Leber, Niere und Pankreas, Schilddrüsenhormone, Entzündungsmarker, Elektrolyte, Gerinnungsparameter und vieles mehr. Für Züchter und Tierhalter mit Verdacht auf erbliche Erkrankungen biete ich über Laboklin genetische Tests für mehr als 400 rassetypische Erbkrankheiten an. Für Auslandsreisen in Länder mit strengen Einreiseregeln, wie die USA, Japan oder Australien, führe ich den FAVN-Test durch, den serologischen Antikörpernachweis gegen Tollwut, den diese Länder vor der Einreise fordern.

Für schnelle Entscheidungen direkt beim Hausbesuch oder in der Praxis nutze ich Schnelltests und eigene mikroskopische Auswertungen: Harnuntersuchungen mit Sedimentanalyse, Kotuntersuchungen auf Parasiten und pathogene Keime sowie zytologische Auswertungen von Abstrichen oder Feinnadelaspiraten. Bei einer Feinnadelaspiration entnehme ich mit einer dünnen Nadel Zellen direkt aus einem verdächtigen Gewebe oder einer Umfangsvermehrung und beurteile diese Zellen unter dem Mikroskop. Das erlaubt oft innerhalb weniger Minuten eine erste belastbare Einschätzung: entzündlich, reaktiv oder tumorverdächtig.

Bei Infektionen, die auf eine Standardtherapie nicht ansprechen, veranlasse ich eine Erregeranzucht mit Resistenztest, ein Antibiogramm. Das ist die einzig seriöse Grundlage, um ein Antibiotikum gezielt einzusetzen. Resistenzen entstehen, wenn Antibiotika ohne diesen Schritt verschrieben werden. Ich tue das nicht.

Röntgen setze ich primär im zahnmedizinischen Bereich ein. Bei der Befundauswertung von Röntgenaufnahmen und Laborwerten unterstütze ich die klinische Beurteilung durch KI-gestützte Diagnostiksysteme. Moderne KI erkennt strukturelle Veränderungen im Knochen, minimale Dichteschwankungen im Gewebe und Abweichungen in Laborwerten mit einer Konsistenz, die kein einzelnes Auge allein erreicht. Den Verzicht auf diese Ebene halte ich in der modernen Tiermedizin schlicht nicht mehr für vertretbar.

Haut, Gelenke und alles dazwischen

Hauterkrankungen sind ein eigenes, komplexes Kapitel. Juckreiz, Krusten, Haarausfall, Pigmentveränderungen, Pusteln: all das kann von Allergien, Parasiten, Pilzen, Bakterien oder Autoimmunprozessen verursacht werden, und diese Ursachen lassen sich klinisch ohne gezielte Diagnostik nicht sicher trennen. Ich untersuche die Haut klinisch, nehme Abstriche oder Klebestreifenpräparate für die Zytologie, veranlasse parasitologische und mykologische Kulturen und erarbeite daraus einen Therapieplan, der über einen blinden Kortisonversuch hinausgeht.

Erkrankungen des Bewegungsapparats betreffen vor allem ältere Tiere, treten aber auch bei jungen Hunden im Rahmen von Wachstumsstörungen oder nach Traumata auf. Eine lahme Katze, die auf der Treppe zögert, ein Retriever, der nach dem Spaziergang steif aufsteht: Das sind keine Bagatellen. Ich untersuche den Bewegungsapparat systematisch, palpiere Gelenke, prüfe Bewegungsumfang und Schmerzreaktionen und erarbeite daraus einen Ansatz, der Schmerzmanagement, Physiotherapieempfehlungen und, wenn nötig, weiterführende Diagnostik einschließt.

Was das alles zusammenhält

Wenn ich über meine Arbeit nachdenke, dann ist es nicht eine einzelne Disziplin, die mich antreibt. Es ist die Kombination. Ein Hund, den ich zur Zahnbehandlung bringe, bekommt von mir nicht nur saubere Zähne, sondern eine vollständige klinische Untersuchung, einen Bluttest, eine ehrliche Einschätzung seines Allgemeinzustands und ein Narkoseprotokoll, das ich für ihn individuell zusammenstelle. Eine Katze, bei der ich wegen eines Hautproblems komme, verlässt den Termin nicht ohne Blick ins Maul und eine Palpation des Abdomens.

Das ist keine Absicht, Mehrleistung zu verkaufen. Es ist mein Anspruch an eine vollständige tierärztliche Versorgung, bei der ich am Ende des Tages weiß, dass ich nichts Wesentliches übersehen habe.

Wenn Sie wissen möchten, was für Ihren Hund oder Ihre Katze konkret sinnvoll wäre, freue ich mich über Ihre Nachricht. Hausbesuche im gesamten Landkreis Starnberg, auf Wunsch mit Abhol- und Bringservice für operative Eingriffe.