Letzte Woche, ein Hausbesuch in Gauting. Siebenjähriger Labrador, seit zwei Tagen ruhiger als sonst, frisst wenig. Die Besitzerin hatte keine klare Idee, was los sein könnte. Ich auch nicht, nach der klinischen Untersuchung. Herzfrequenz leicht erhöht, Schleimhäute etwas blass, Bauch beim Palpieren nicht eindeutig schmerzhaft, aber das Tier war nicht richtig wohl. Ich habe den iQ+ aus der Tasche geholt, Gel aufgetragen, und nach etwa zwanzig Sekunden hatte ich das Bild: Eine deutliche Menge freier Flüssigkeit im Bauch. Milztumor, später bestätigt.
Der Hund wäre ohne diesen Befund nach Hause gegangen. Mit einem „wir beobachten das“ und einem Wiedervorstellungstermin in drei Tagen. Das wäre falsch gewesen.
Warum POCUS den Hausbesuch verändert
Ultraschall am Untersuchungsort, in der Fachsprache Point-of-Care Ultrasound, POCUS, ist kein neues Konzept. In der Humanmedizin gehört es seit Jahren zum Standard in Notaufnahmen und Intensivstationen. In der Veterinärmedizin hat es sich in der Notfall- und Intensivmedizin etabliert, vor allem durch das sogenannte FAST-Protokoll, das Focused Assessment with Sonography for Trauma: ein standardisiertes Verfahren, das bei Traumapatienten innerhalb weniger Minuten freie Flüssigkeit in Bauch- und Brusthöhle nachweisen kann. Studien zeigen, dass das FAST-Protokoll bei Hunden Pneumothorax mit einer Übereinstimmung von 89 Prozent und Pleuralerguss mit 83 Prozent im Vergleich zum Röntgenbild erkennt (Armenise et al., Journal of Small Animal Practice, 2019).
Was sich verändert hat: Die Geräte. Vor fünf Jahren bedeutete Ultraschall beim Hausbesuch eine große Tasche, ein kabelgebundenes Gerät und drei verschiedene Schallköpfe. Heute ist der Butterfly iQ+ Vet handtellergroß, wiegt weniger als 400 Gramm und steckt in meiner Jackentasche. Das verändert, welche Diagnosen ich vor Ort stellen kann, und wie schnell ich eine Entscheidung treffe.
Was den iQ+ Vet technisch besondermacht
Klassische Ultraschallgeräte arbeiten mit piezoelektrischen Kristallen, die mechanisch schwingen und Schallwellen erzeugen. Der Butterfly iQ+ Vet verwendet stattdessen eine proprietäre Technologie namens Ultrasound-on-Chip: Alle Ultraschallfunktionen sind auf einer einzigen integrierten Schaltung vereint. Das erlaubt es, die gesamte Verarbeitungslogik in ein deutlich kleineres Gehäuse zu packen, ohne auf Bildqualität zu verzichten.
Der Frequenzbereich reicht von 1 bis 10 MHz, die Eindringtiefe beträgt bis zu 30 Zentimeter. Das entscheidende daran: Ein einziger Schallkopf deckt alle klinisch relevanten Anwendungen ab, vom Herzultraschall mit niedrigen Frequenzen bis zum oberflächennahen Lymphknoten mit hohen. Klassische Geräte benötigen dafür drei verschiedene Köpfe: einen linearen, einen konvexen, einen Phased-Array. Beim Hausbesuch, wo ich das Tier nicht neu positionieren und zwischen Schallköpfen wechseln kann, ohne den Untersuchungsfluss zu unterbrechen, ist das ein echter klinischer Vorteil.
Das Gerät ist CE-zertifiziert nach EU MDR und speziell für den veterinärmedizinischen Einsatz entwickelt. Es wurde mit dem TIME Best Invention Award ausgezeichnet, einem der bedeutendsten internationalen Preise für technologische Innovation.
B-Linien und was sie verraten
Eines der klinisch wertvollsten Werkzeuge am iQ+ Vet ist die automatische B-Linien-Zählung bei der Lungenuntersuchung. Das klingt technisch. Was dahintersteckt, ist konkret.
Normale Lunge füllt sich mit Luft. Ultraschall dringt nicht durch Luft hindurch; man sieht bei einer gesunden Lunge das sogenannte Gliding-Zeichen an der Pleura, aber keine tiefer liegenden Strukturen. Wenn sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt, bei Lungenödem durch Herzinsuffizienz, bei Pneumonie, bei Lungenkontusion, entstehen charakteristische vertikale Artefakte, die von der Pleuralinie bis zum Bildrand reichen. Diese nennt man B-Linien.
Mehrere isolierte B-Linien können auch bei gesunden Tieren vorkommen. Zahlreiche, multifokale B-Linien hingegen sind ein verlässliches Zeichen für erhöhten Lungenwassergehalt. Eine Studie aus 2021 zeigte, dass die Lungenwasserbelastung bei Hunden mit links-seitiger Herzinsuffizienz mittels B-Linien-Zählung zuverlässig verfolgt werden kann: Der mediane B-Linien-Score sank von 37 bei der Aufnahme auf 5 bei der Entlassung, ein direktes Maß für das Ansprechen auf die Diuretikatherapie (Murphy et al., Journal of Veterinary Internal Medicine, 2021). Bei Katzen mit Atemnot erreicht die Lungenwasserbestimmung via B-Linien eine Sensitivität von 79 Prozent und eine Spezifität von 83 Prozent für die Diagnose einer kardiogenen Ursache (Ward et al., Journal of Veterinary Internal Medicine, 2018).
Was das im Hausbesuch bedeutet: Wenn eine Katze dyspnoisch ist und ich mir nicht sicher bin, ob das Herz oder die Lungen die Ursache sind, kann ich am Bett des Tieres innerhalb von zwei Minuten eine Antwort generieren. Das ändert, ob ich Furosemid gebe oder nicht. Das kann Leben retten.
Fokussierter Herzultraschall: schnell genug für die Notaufnahme
Herzultraschall klingt nach Fachpraxis und Spezialist. Das stimmt für die vollständige Echokardiographie auch, die dauert bei einem erfahrenen Kardiologen dreißig bis vierzig Minuten und erfordert viel Training. Aber der sogenannte fokussierte Herzultraschall, der FOCUS-Ansatz, ist etwas anderes: eine gezielte Beurteilung von Herzgröße, Vorhofgröße, Kontraktilität und Perikardflüssigkeit, die sich auf wenige Schlüsselfenster beschränkt und in etwa fünf Minuten durchführbar ist.
Eine prospektive Studie an 41 dyspnoischen Katzen in der Notaufnahme zeigte, dass die klinische Diagnose allein in 73 Prozent der Fälle korrekt war. Nach dem FOCUS-Ultraschall stieg die Diagnoserate auf 92 Prozent (Janson et al., Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 2020). Das ist eine klinisch bedeutsame Verbesserung, und erklärt, warum ich bei jedem Tier mit Atemproblematik oder ungeklärtem Kollaps den iQ+ Vet einsetze, bevor ich irgendeine andere Entscheidung treffe.
Was der KI-Assistent im Gerät leistet
Der iQ+ Vet hat integrierte KI-Werkzeuge, die in der täglichen Arbeit spürbar helfen. Die automatische Blasenvolumenberechnung ist das einfachste Beispiel: Das System vermisst die Blase in drei Ebenen und berechnet das Volumen ohne manuelle Eingabe. Das ist relevant bei Harnsteinen, Blasenentzündungen, nach Operationen und bei der Verlaufskontrolle von Tieren mit Rückenmarksproblemen.
Die automatische Biplan-Bildgebung zeigt gleichzeitig die Längs- und Querachse des untersuchten Bereichs in Echtzeit. Das hilft besonders bei der Nadelführung, wenn ich eine ultraschallgestützte Punktion oder Biopsie durchführe. Die Nadel landet präziser, das Risiko von Nebenverletzungen sinkt. Für kleine Strukturen wie vergrößerte Lymphknoten, die ich punktieren möchte, ist das ein konkreter Unterschied.
Videoarchivierung und Telemedizin: Zweitmeinung ohne Transport
Ein entscheidender Unterschied zu älteren Geräten: Der iQ+ Vet speichert alle Untersuchungen als Videoclip, nicht nur als Standbild. Ein Herz, das sich im Video kontrahiert, zeigt mir Dinge, die ein eingefrierenes Bild nicht zeigt. Darmperistaltik, die im Video zu sehen ist, aber auf dem Standbild fehlt. Ein Abszess, der sich beim Einatmen anders verhält als beim Ausatmen.
Diese Videoclips werden in der Butterfly Cloud gespeichert, DSGVO-konform, jederzeit abrufbar. Wenn ich bei einem Befund unsicher bin oder eine spezialisierte Einschätzung brauche, schicke ich den Clip direkt an einen Radiologen oder Internisten. Ich bekomme in vielen Fällen noch am selben Tag eine fundierte Zweitmeinung. Das ist keine Notlösung, es ist in manchen Fällen die klinisch sinnvollere Alternative zum Transport in eine Fachklinik, der für das Tier Stress bedeutet und für den Besitzer oft stundenlangen Aufwand.
Was ich mit dem Gerät untersuche
Im Praxisalltag setze ich den iQ+ Vet für folgende Untersuchungen ein: Bauchultraschall aller Organe, Leber, Milz, Nieren, Nebennieren, Darm, Pankreas, Blase. Fokussierten Herzultraschall und Echokardiographie zur Beurteilung von Herzgröße, Funktion und Klappen. Schilddrüsen- und Lymphknotenscreening. Trächtigkeitsdiagnostik und Welpenzählung. Lungenuntersuchung nach dem Vet BLUE-Protokoll mit B-Linien-Analyse. Ultraschallgestützte Punktionen und Biopsien. Und Untersuchungen des Bewegungsapparates bei Sehnen- und Muskelproblemen.
Nicht jedes Tier braucht bei jedem Besuch einen Ultraschall. Aber wenn klinische Zeichen auf innere Veränderungen hinweisen, die die Körperoberfläche nicht zeigt, ist der iQ+ Vet das erste Werkzeug, das ich einsetze, weil es das schnellste und das informativste ist.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Hund oder Ihre Katze etwas hat, das man „nicht sieht“? Kontaktieren Sie mich gerne über das Kontaktformular. Ich komme vorbei und schaue es mir an.