Über den hartnäckigsten Irrtum der Hundehaltung, den Unterschied zwischen Pflicht und Empfehlung, warum der Impfpass kein Sammelalbum ist, und wann ein Tropfen Blut mehr verrät als jeder Aufkleber. Dr. med. vet. Maria-Louise Morgott

Es war einer dieser Hausbesuche, bei denen man merkt, dass man ein Gespräch führen wird, das länger dauert als die Untersuchung. Junge Familie, erster Hund, ein vier Monate alter Australian-Shepherd-Welpe mit Riesenaugen und einem Energielevel, das den gesamten Raum in Schwingung versetzte. Ich fragte nach dem Impfpass. Die Besitzerin schaute mich an und sagte: „Der ist gechipt. Das haben wir direkt beim Züchter machen lassen.“ Pause. „Da braucht er doch keine Impfung mehr, oder?“

Ich hatte diesen Satz in meiner Karriere vielleicht schon fünfzigmal gehört. Er überrascht mich nicht mehr. Aber er beunruhigt mich jedes Mal, weil er zeigt, wie wenig über Impfungen tatsächlich bekannt ist, selbst bei engagierten, liebevollen Tierhaltern, die alles richtig machen wollen.

Ein Mikrochip ist ein Transponder unter der Haut, der eine fünfzehnstellige Nummer enthält. Er identifiziert Ihr Tier. Er schützt es nicht vor Krankheiten. Er schützt es nicht vor Staupe, nicht vor Parvovirose, nicht vor Leptospirose. Er tut genau eine Sache: Er macht Ihren Hund zuordnungsfähig. Nicht mehr, nicht weniger. (Warum der Chip trotzdem lebenswichtig ist und warum er nur nützt, wenn er auch registriert wurde, habe ich ausführlich in meinem Artikel „Gechippt. Verloren. Und keiner kann helfen.“ beschrieben.)

Aber heute geht es nicht um den Chip. Heute geht es um das, was Ihr Hund wirklich braucht, um gesund zu bleiben. Und das ist ein Thema, bei dem erschreckend viel Halbwissen kursiert.

Core, Non-Core, Pflicht: Was bedeutet das eigentlich?

In der Veterinärmedizin gibt es zwei große Organisationen, die Impfempfehlungen aussprechen: die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut, kurz StIKo Vet, die für Deutschland verbindliche Leitlinien herausgibt, und die World Small Animal Veterinary Association, kurz WSAVA, die globale Richtlinien definiert. Beide haben 2024 beziehungsweise 2025 ihre Empfehlungen aktualisiert. Und beide verwenden dieselbe Grundeinteilung: Core-Vakzine und Non-Core-Vakzine.

Core-Vakzine sind Impfungen, die jeder Hund erhalten sollte, unabhängig von seinen Lebensumständen. Jeder. Immer. Ohne Ausnahme. In Deutschland sind das nach der aktuellen StIKo-Vet-Leitlinie: Staupe, Parvovirose und Leptospirose (StIKo Vet, Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, 2025). Diese drei Erkrankungen sind so gefährlich, so verbreitet oder so ansteckend, dass ein Verzicht auf die Impfung das Tier einem inakzeptablen Risiko aussetzt. Aus tierärztlicher Sicht sollte darüber hinaus die Impfung gegen Hepatitis contagiosa canis, also die ansteckende Leberentzündung, aufrechterhalten werden. In Westeuropa ist diese Erkrankung durch konsequente Impfung selten geworden, aber in Osteuropa noch verbreitet. Der Schutz besteht nur, solange geimpft wird.

Non-Core-Vakzine sind Impfungen, die je nach individueller Risikolage sinnvoll sein können: Zwingerhusten (Bordetella bronchiseptica und Parainfluenza), Borreliose und, in bestimmten Fällen, Leishmaniose. Ob Ihr Hund diese Impfungen braucht, hängt davon ab, wie er lebt. Geht er in die Hundeschule? Hat er Kontakt zu vielen anderen Hunden? Jagt er Mäuse? Fährt er mit Ihnen in den Mittelmeerraum? Das sind Fragen, die ich mit Ihnen im Impfgespräch kläre, individuell und nicht nach Schema F.

Und wo bleibt Tollwut?

Hier wird es interessant, weil genau hier die meiste Verwirrung herrscht. Tollwut ist in Deutschland seit 2008 als getilgt anerkannt. Seit 2021 stuft die StIKo Vet die Tollwutimpfung deshalb nicht mehr als Core-Vakzine ein. Das heißt: Für einen Hund, der Deutschland nicht verlässt, ist die Tollwutimpfung formal keine Pflicht mehr (StIKo Vet, 2025).

Aber, und dieses Aber ist groß: Sobald Sie mit Ihrem Hund ins Ausland reisen, ist die Tollwutimpfung zwingend vorgeschrieben. Der EU-Heimtierausweis setzt eine gültige Tollwutimpfung voraus, die mindestens einundzwanzig Tage vor Grenzübertritt erfolgt sein muss. Ohne diesen Nachweis darf Ihr Hund nicht einreisen. Nicht nach Österreich, nicht nach Italien, nirgendwohin in der EU. (Was Sie darüber hinaus für eine Reise in den Mittelmeerraum wissen müssen, von Leishmaniose-Prophylaxe bis Herzwurmschutz, habe ich in meinem Artikel „Ihr Hund war zwei Wochen in Kroatien. Was er mitgebracht hat, merken Sie erst in drei Jahren.“ zusammengefasst.)

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum ich die Tollwutimpfung auch für Hunde in Deutschland empfehle: die Tollwutverordnung. Gegen Tollwut geimpfte Tiere sind bei einem Kontakt mit einem seuchenverdächtigen Tier rechtlich bessergestellt. Ein ungeimpfter Hund, der Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Tier hatte, etwa einem Fuchs oder einer Fledermaus, kann behördlich angeordnet getötet werden. Ein geimpfter Hund wird nachgeimpft und beobachtet. Dieser Unterschied kann über Leben und Tod entscheiden.

Was Staupe, Parvo und Leptospirose mit Ihrem Hund machen

Ich möchte Ihnen keine Angst machen. Aber ich möchte, dass Sie verstehen, warum diese Impfungen nicht verhandelbar sind.

Staupe, verursacht durch das Canine-Distemper-Virus, war bis in die sechziger Jahre eine der häufigsten Todesursachen bei Hunden. Seitdem es Impfstoffe gibt, ist die Erkrankung zurückgegangen, aber nicht verschwunden. In Fuchs- und Waschbärpopulationen zirkuliert das Virus weiterhin, und bei ungeimpften Hunden tauchen regelmäßig Fälle auf. Staupe befällt Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Nervensystem. Die nervöse Form, die sogenannte Staupe-Enzephalitis, endet in vielen Fällen tödlich oder mit bleibenden neurologischen Schäden. Staupegebiss, eine irreversible Schädigung des Zahnschmelzes, ist ein Befund, den ich bei Importhunden aus Osteuropa immer wieder sehe.

Parvovirose, die Hundeseuche, wird durch das Canine Parvovirus verursacht und ist eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Das Virus überlebt monatelang in der Umwelt, ist resistent gegen die meisten Desinfektionsmittel und wird über den Kot ausgeschieden. Ein infizierter Welpe zeigt schweres blutiges Erbrechen und Durchfall, dehydriert innerhalb von Stunden und kann trotz intensivmedizinischer Behandlung sterben. Bei ungeimpften Welpen liegt die Letalität bei bis zu neunzig Prozent.

Leptospirose wird durch Bakterien der Gattung Leptospira verursacht, die von Ratten, Mäusen und Igeln über den Urin ausgeschieden werden. Stehende Gewässer, Pfützen, feuchte Wiesen, alles potenzielle Infektionsquellen. Die Bakterien dringen über Schleimhäute oder kleine Hautwunden ein und befällen Nieren und Leber. Leptospirose kann akut tödlich verlaufen, und sie ist eine Zoonose: Auch Menschen können sich infizieren. Anders als bei Staupe und Parvo muss Leptospirose jährlich aufgefrischt werden, weil die Immunität deutlich kürzer anhält und die verschiedenen Leptospiren-Serovare eine breitere Impfstoffzusammensetzung erfordern.

Gerade im Landkreis Starnberg ist Leptospirose ein Thema, das ich nicht eindringlich genug betonen kann. Wir leben hier umgeben von Seen, Feuchtwiesen, Bächen, und unsere Hunde trinken aus Pfützen, schwimmen im Starnberger See, wälzen sich im nassen Gras. Jedes dieser Verhalten ist ein potenzieller Kontakt mit Leptospiren. Die modernen Vierfach-Impfstoffe decken die vier in Europa relevantesten Serovare ab, das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den älteren Zweifach-Impfstoffen, die gegen die heute zirkulierenden Stämme oft unwirksam waren.

Der Impfplan: Was wann passiert

Die Grundimmunisierung eines Welpen folgt einem klaren Schema, das die StIKo Vet festlegt. In der achten Lebenswoche: erste Impfung gegen Parvovirose, Staupe und Leptospirose. In der zwölften Woche: Wiederholung aller drei Komponenten. In der sechzehnten Woche: Parvovirose und Staupe. Mit fünfzehn Monaten: erneute Auffrischung aller drei Komponenten.

Warum so oft in so kurzer Zeit? Nicht weil der Impfstoff bei einmaliger Gabe nicht wirkt. Sondern wegen der maternalen Antikörper. Welpen nehmen über die Erstmilch der Mutter, das Kolostrum, Antikörper auf, die sie in den ersten Lebenswochen schützen. Diese mütterlichen Antikörper sind ein Segen, weil sie den Welpen vor Infektionen bewahren. Sie sind aber gleichzeitig ein Hindernis für die Impfung, weil sie den Impfstoff neutralisieren können, bevor er eine eigene Immunantwort auslöst. Das Problem: Niemand weiß genau, wann die maternalen Antikörper bei einem bestimmten Welpen so weit abgebaut sind, dass die Impfung greifen kann. Bei manchen Welpen passiert das mit acht Wochen, bei anderen erst mit sechzehn. Deshalb wird mehrfach geimpft, um den optimalen Zeitpunkt sicher zu treffen.

Nach der Grundimmunisierung ändern sich die Intervalle. Staupe und Parvovirose: Auffrischung alle drei Jahre, bei Verwendung von Lebendimpfstoffen. Leptospirose: jährlich. Tollwut: je nach Impfstoff alle ein bis drei Jahre. Zwingerhusten und Parainfluenza: jährlich, sofern die Impfung überhaupt indiziert ist.

Impftiter: Warum ein Tropfen Blut mehr verrät als jeder Aufkleber

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der viele Tierhalter überrascht und der die Impfmedizin in den letzten Jahren grundlegend verändert hat: der Impftiterbestimmung.

Das Prinzip ist einfach. Statt einen Hund nach einem starren Schema alle drei Jahre zu impfen, unabhängig davon, ob er überhaupt eine Auffrischung braucht, wird eine kleine Blutprobe entnommen und auf Antikörper gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis untersucht. Sind schützende Antikörper vorhanden, ist der Hund geschützt. Keine Impfung nötig. Sind keine Antikörper nachweisbar, wird geimpft. Erst testen, dann impfen, das ist der Grundsatz, den sowohl die WSAVA als auch die StIKo Vet seit Jahren empfehlen (WSAVA Vaccination Guidelines, 2024; StIKo Vet, Stellungnahme zur Impfung nach Antikörperbestimmung, 2017).

Warum ist das sinnvoll? Weil die Immunitätsdauer nach einer erfolgreichen Impfung gegen Staupe und Parvovirose in vielen Fällen weit über drei Jahre hinausgeht. Bei korrekt grundimmunisierten Hunden wurden in Studien Schutztiter nachgewiesen, die sieben Jahre und länger anhielten, teilweise bis zum Lebensende (Schultz, Journal of Veterinary Internal Medicine, 2006). Einen Hund mit positivem Titer zu impfen, bringt keinen zusätzlichen Nutzen. Es erhöht nicht den Schutz, es setzt das Tier aber dem Risiko unerwünschter Nebenwirkungen aus.

Die WSAVA formuliert es klar: Core-Vakzine sollen nicht häufiger als alle drei Jahre verabreicht werden, und auch das nur bei Tieren, die keinen Schutz mehr aufweisen (WSAVA, 2024). Der Motto ist: Mehr Tiere impfen, das einzelne Tier nur so oft wie nötig.

Die WSAVA hat in ihren aktuellen Leitlinien übrigens auch ein Thema angesprochen, das mich als Praktikerin beschäftigt: die Körpergröße. Es gibt zunehmende Hinweise darauf, dass kleine Hunde ein höheres Risiko für unerwünschte Impfreaktionen haben als große Hunde, obwohl alle dieselbe Dosis erhalten. Gleichzeitig gibt es Daten, die nahelegen, dass große Hunde möglicherweise nicht ausreichend geschützt werden. Die Kommission fordert mehr Forschung zu diesem Thema (WSAVA, 2024). In der Zwischenzeit heißt das für mich: Kleine Hunde genau beobachten nach der Impfung. Leichte Symptome wie Müdigkeit oder eine kleine Schwellung an der Einstichstelle sind normal und klingen innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Erbrechen, Gesichtsschwellung oder Atemnot sind es nicht. In dem Fall rufen Sie mich sofort an.

In meiner Praxis biete ich den Titertest als Alternative zur routinemäßigen Dreijahresimpfung an. Ein kleiner Stich, eine Blutprobe, und wir wissen, ob Ihr Hund geschützt ist oder ob er tatsächlich eine Auffrischung braucht. Das ist evidenzbasierte Medizin statt Gießkannenprinzip. Besonders bei älteren Hunden, bei denen jeder unnötige Eingriff vermieden werden sollte, ist der Titertest eine sinnvolle Ergänzung des Seniorprogramms. (Mehr dazu, welche Vorsorge für den älteren Hund sinnvoll ist, finden Sie in meinem Artikel „Alter Hund: Ab wann ist er Senior, und was ändert sich in der Vorsorge?“.)

Ein wichtiger Hinweis: Der Titertest funktioniert nur für Lebendimpfstoffe, also für Staupe, Parvovirose und Hepatitis. Für Leptospirose ist der Titertest nicht aussagekräftig, weil die Antikörperantwort kurz und serovarspezifisch ist. Leptospirose muss weiterhin jährlich geimpft werden, da führt kein Weg dran vorbei. Und der Titertest ersetzt nicht den Impfpass: Einen positiven Titer können Sie nicht an der Grenze vorzeigen. Für Reisen bleibt die dokumentierte Impfung im EU-Heimtierausweis das einzig gültige Dokument. In den Niederlanden wird der Titertest zwar bereits offiziell anerkannt und kann in den Impfpass eingetragen werden. In Deutschland ist das bisher nicht der Fall.

Zwingerhusten, Borreliose, Leishmaniose: Wann sich Non-Core-Impfungen lohnen

Zwingerhusten ist eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung, die überall dort auftritt, wo viele Hunde auf engem Raum zusammenkommen: Hundepensionen, Welpengruppen, Hundeschulen, Tierheime. Der Name ist irreführend, denn Ihr Hund muss nicht in einem Zwinger leben, um sich zu infizieren. Ein Schnupperbesuch in der Hundewiese genügt. Die Impfung gegen Bordetella bronchiseptica und Parainfluenza kann die Symptome reduzieren, eine Infektion aber nicht sicher verhindern. Trotzdem empfehle ich sie für Hunde mit viel Sozialkontakt, weil ein milder Verlauf besser ist als ein schwerer.

Borreliose wird durch Zecken übertragen und ist in Bayern ein relevantes Thema. Die Impfung gegen Borrelia burgdorferi ist allerdings umstritten, weil sie nur gegen bestimmte Serotypen schützt und die klinische Relevanz der Borreliose beim Hund anders zu bewerten ist als beim Menschen. Ich bespreche die Borreliose-Impfung individuell, in Abhängigkeit von Lebensraum und Zeckenexposition. Konsequenter Zeckenschutz ist in jedem Fall die erste und wichtigste Maßnahme.

Leishmaniose-Impfung ist ein Thema für Hunde, die in den Mittelmeerraum reisen. Die Impfstoffe Canileish und Letifend verhindern keine Infektion, senken aber das Erkrankungsrisiko. Die Grundimmunisierung dauert Wochen, wer im Juli nach Griechenland will, muss im Mai anfangen. Und die Impfung ersetzt nicht den Mückenschutz. Beides zusammen, Impfung plus Repellent, das ist der beste Schutz, den wir haben.

Was ich in meiner Praxis sehe, und was mich besorgt

Ich sehe regelmäßig Hunde, die nie geimpft wurden. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Unwissenheit oder Verunsicherung. Die sozialen Medien sind voll von Beiträgen, die Impfungen als gefährlich, überflüssig oder von der Pharmaindustrie gesteuert darstellen. Ich verstehe die Skepsis, und ich nehme sie ernst. Aber ich sage Ihnen auch: Die Erkrankungen, gegen die wir impfen, sind real. Ich habe Welpen an Parvovirose sterben sehen. Ich habe einen jungen Hund mit Staupeenzephalitis erlöst, weil er nicht mehr stehen konnte und Krampfanfälle hatte, die nicht aufhörten. Das ist kein Lehrbuch, das ist mein Praxisalltag.

Was mich genauso besorgt, ist das andere Extrem: Hunde, die jedes Jahr mit allem geimpft werden, was der Kombistoff hergibt, ohne Rücksicht auf den individuellen Bedarf, ohne Titertest, ohne Impfgespräch. Das ist nicht verantwortungsvolle Medizin, das ist Routine, die niemandem dient. Die WSAVA hat es klar formuliert: Exzessive, unnötige Wiederholungsimpfungen eines kleinen Anteils der Hundepopulation tragen wenig zur Herdenimmunität bei. Sinnvoller ist es, die Zahl der geimpften Tiere in der Population insgesamt zu erhöhen, auch wenn jedes einzelne Tier seltener geimpft wird (WSAVA, 2024).

Die goldene Mitte heißt: individuelles Impfmanagement. Jährliches Impfgespräch, klinische Untersuchung, Titertest wo sinnvoll, und dann die tatsächlich notwendigen Impfungen. Nicht mehr. Nicht weniger. Und nicht nach Schema F.

Was ich mir wünsche, ist ein Umdenken auf beiden Seiten. Tierhalter, die aufhören, Impfungen als Geschäftsmodell der Veterinärmedizin zu betrachten. Und Kolleginnen, die aufhören, jedes Jahr stumpf die Kombispritze zu setzen, ohne das Gespräch zu führen. Der Impftermin ist einer der wichtigsten Termine des Jahres, nicht wegen der Spritze, sondern wegen der Untersuchung, die damit einhergeht. Ich höre das Herz ab, ich taste die Lymphknoten, ich schaue ins Maul, ich prüfe die Gelenke, ich wiege den Hund. Manchmal finde ich dabei Dinge, die der Besitzer nie bemerkt hätte. Ein Herzgeräusch. Einen Zahnstein, der längst behandelt gehört. Eine Umfangsvermehrung am Bauch. Das Impfgespräch ist ein Vorsorgegespräch, und es kann Ihrem Hund das Leben retten.

Was Dollar in ihrem Impfpass stehen hat

Meine eigene Hündin Dollar, eine zweijährige Labrador-Hündin mit Sockenfetisch und unverwüstlicher Laune, ist grundimmunisiert gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose, Hepatitis und Tollwut. Leptospirose wird jährlich aufgefrischt. Für Staupe und Parvo werde ich beim nächsten fälligen Termin einen Titertest machen, und nur impfen, wenn er negativ ausfällt. Zwingerhusten bekommt sie nicht, weil sie zwar Kontakt zu vielen Hunden hat, aber meinen anderen fünf, und die sind alle geimpft. Borreliose bekommt sie nicht, weil der Zeckenschutz bei uns konsequent ist. Das ist kein Impfverzicht. Das ist maßgeschneiderte Medizin.

Ich impfe zu Hause, bei Ihnen, als Hausbesuch. Ohne Wartezimmer, ohne Stress, ohne die Cortisol-Spitze, die ein Praxisbesuch bei vielen Hunden auslöst und die übrigens auch die Immunantwort beeinflussen kann. (Warum Hausbesuche medizinisch bessere Befundqualität liefern, habe ich in meinem Artikel „Hausbesuch Tierarzt Starnberg: Vorteile der mobilen Tiermedizin“ beschrieben.)

Wenn Sie unsicher sind, was Ihr Hund braucht, ob die Impfungen aktuell sind, ob ein Titertest sinnvoll wäre oder ob Ihr Welpe korrekt grundimmunisiert wurde: Rufen Sie mich an. Wir schauen gemeinsam in den Impfpass, ich erkläre Ihnen jeden Aufkleber und jede Abkürzung, und dann machen wir einen Plan, der zu Ihrem Hund passt. Nicht zu irgendeinem Hund. Zu Ihrem.

Meine Praxis befindet sich in der Enzianstraße 4a in Starnberg. Und ich verspreche Ihnen: Das Impfgespräch dauert länger als der Pieks.

Dr. med. vet. Maria-Louise Morgott, mobile Tierärztin, Landkreis Starnberg