Der Satz fiel zwischen Tür und Angel, in einem Hausflur in Niederbayern, der nach Holzofen und nassem Loden roch. Der Mann, der ihn sagte, ist Jäger. Seit Jahrzehnten. Einer von denen, die ein Reh auf 200 Meter ansprechen können und beim Tierarzt trotzdem die Mütze in den Händen drehen.

Sein Kater lag auf der Ofenbank. Alt, struppig, mit diesem leicht verrutschten Blick, den sehr alte Katzen manchmal haben. „Nachts hockt er im Gang und schreit“, sagte der Jäger. „Steht vor der vollen Schüssel und schaut mich an, als hätt er nix gekriegt. Und neulich is er vor der Wand gestanden. Einfach so. Vor der Wand.“

Pause.

„Der is wohl dement.“

Ich habe genickt. Auf der ganzen Heimfahrt hat mich der Satz dann nicht mehr losgelassen, denn eigentlich hatte ich eine Antwort parat gehabt, und sie lautete ungefähr so: Das ist keine Demenz, das ist ein altes Tier. Ich habe mich in den Tagen danach tiefer in die Fachliteratur gegraben als seit Langem, und ich muss diese Antwort heute korrigieren. Nicht komplett. Aber in einem entscheidenden Punkt.

Gibt es Alzheimer bei Katzen?

Offiziell nicht. Niemand in der Tiermedizin diagnostiziert bei einer Katze „Alzheimer“. Der Fachbegriff heißt Feline Cognitive Dysfunction Syndrome, auf Deutsch kognitives Dysfunktionssyndrom, und er beschreibt einen fortschreitenden, altersbedingten Abbau von Gedächtnis, Orientierung und Verhalten. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose: Erst wenn andere Erkrankungen als Ursache ausscheiden, sprechen wir davon (Sordo und Gunn-Moore, Veterinary Record, 2021). Einen Bluttest, der „ja, dement“ ausspuckt, gibt es nicht.

Das klingt nach einer weichen Diagnose. Ist es aber nicht, sobald man sich ansieht, was in diesen Gehirnen passiert.

In einer Untersuchung von 19 Katzengehirnen fanden sich Ablagerungen von Beta-Amyloid, einem Eiweißbruchstück, das sich im Hirngewebe sammelt, ausschließlich bei Tieren über 10 Jahren (Gunn-Moore et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2006). Stellen Sie sich eine Kaffeemaschine vor, die nie entkalkt wird. Jahrelang läuft sie scheinbar normal, der Kalk sitzt unsichtbar in den Leitungen. Irgendwann stottert sie. Genau diesen Stoff, Beta-Amyloid, kennt man aus der Alzheimer-Forschung beim Menschen.

Und dann kommt ein Befund, der mich beim Lesen tatsächlich hat aufsetzen lassen. Eine Arbeitsgruppe der Universität Tokio hat in den Gehirnen alter Hauskatzen sogenannte neurofibrilläre Bündel gefunden, verknäuelte Stränge aus einem Eiweiß namens Tau im Inneren der Nervenzellen (Chambers et al., Acta Neuropathologica Communications, 2015). Wenn Amyloid der Kalk in den Leitungen ist, dann ist Tau das Kabelgewirr innen im Gerät. Die Zelle kann nichts mehr transportieren und geht zugrunde. Diese Knäuel lagen bei den Katzen im Hippocampus, dem Gedächtniszentrum, betrafen dieselben Zellen wie beim Menschen und bestanden aus denselben Tau-Varianten wie beim menschlichen Alzheimer. Nervenzellen gingen in erheblichem Umfang verloren.

Das ist bemerkenswert, weil die Autoren betonen, dass viele Tierarten zwar Amyloid ablagern, aber keine solchen Knäuel bilden. Der Hund, jahrzehntelang das Vorzeigemodell der Alzheimer-Forschung, gehört dazu. Er hat den Kalk, aber nicht das Kabelgewirr. Die Katze hat beides.

Neuere Arbeiten aus Edinburgh zeigen außerdem, dass sich Amyloid bei dementen Katzen direkt an den Synapsen anlagert, also an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, und dass die Immunzellen des Gehirns in der Nähe dieser Ablagerungen vermehrt Synapsen verschlingen (McGeachan et al., European Journal of Neuroscience, 2025). Man muss sich das vorstellen wie einen übereifrigen Hausmeister, der beim Aufräumen funktionierende Stromleitungen herausreißt. Die Forschenden beschreiben diese Veränderungen ausdrücklich als Parallele zur menschlichen Alzheimer-Erkrankung.

Meine Antwort an den Jäger hätte also lauten müssen: Ja, das kann eine echte Demenz sein. Mit einer Biologie, die dem menschlichen Alzheimer näher kommt, als ich selbst vor dieser Woche gedacht hätte.

Oder ist es doch nur die Durchblutung?

Diese Frage höre ich oft, meistens mit einem leicht erleichterten Unterton. Durchblutung klingt reparabel. Ein bisschen verkalkt, ein Mittelchen für die Gefäße, fertig.

Die ehrliche Antwort: Die Gefäße spielen mit, aber sie sind nicht der Hauptschalter. Beim Hund ist gut untersucht, dass sich Amyloid auch in den Wänden der Hirngefäße ablagert und dass diese Gefäßablagerungen mit den Verhaltensauffälligkeiten zusammenhängen (Colle et al., Neurobiology of Aging, 2000). Das ist aber keine eigenständige Durchblutungsstörung. Es ist dieselbe Eiweißkrankheit, nur an einem anderen Ort. Eine Arbeit, die bei Hund oder Katze eine reine Demenz allein durch schlechte Durchblutung belegt, habe ich nicht gefunden.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt, bei dem die Durchblutungstheorie trotzdem recht bekommt, nur anders als gedacht.

Bluthochdruck ist bei älteren Katzen eine häufige Erkrankung, oft zusammen mit einer chronischen Nierenerkrankung oder einer Schilddrüsenüberfunktion, und das Gehirn gehört zu den Organen, die darunter leiden (Taylor et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2017). Eine Arbeitsgruppe der Universität Zürich hat 56 Katzen mit Bluthochdruck untersucht, mittleres Alter 16,5 Jahre. 31 davon zeigten neurologische Auffälligkeiten: Gangunsicherheit, Krampfanfälle, Verhaltensänderungen. Einige versteckten sich, einige waren desorientiert, 4 schrien auffällig viel, und zwar bei völlig normaler Schilddrüse (Moretto et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2023). Der obere Blutdruckwert lag im Median bei 220 mmHg. Von außen sieht das aus wie Demenz.

Nur: Es ist behandelbar. Von den 25 Katzen, deren Verlauf die Zürcher weiter verfolgen konnten, verschwanden die neurologischen Zeichen unter blutdrucksenkender Behandlung bei 15 vollständig und bei 8 weiteren teilweise (Moretto et al., 2023).

Das ist die gute Nachricht in der schlechten. Nicht jede Katze, die nachts schreit und vor der Wand steht, ist dement. Manche haben einen gefährlich hohen Blutdruck, und niemand hat ihn je gemessen. Die Autoren schreiben selbst, dass neurologische Zeichen bei hochdruckkranken Katzen häufig übersehen oder falsch gedeutet werden.

Warum ich es bei Katzen öfter sehe als bei Hunden

Ich hatte in den letzten Jahren den festen Eindruck, dass mir kognitiv verwirrte Katzen deutlich häufiger begegnen als verwirrte Hunde. Also habe ich nachgesehen, ob das stimmt.

Die Zahlen sind überraschend ausgeglichen. Bei Hunden zeigten in einer amerikanischen Erhebung 28 Prozent der 11- bis 12-Jährigen mindestens ein Anzeichen kognitiven Abbaus, bei den 15- bis 16-Jährigen waren es 68 Prozent (Neilson et al., Journal of the American Veterinary Medical Association, 2001). Bei Katzen sind es 28 Prozent der 11- bis 14-Jährigen und mehr als die Hälfte der Tiere ab 15 Jahren (Gunn-Moore et al., Journal of Small Animal Practice, 2007). Pro Altersstufe liegen beide Arten also ziemlich nah beieinander. Eine Studie, die Hunde und Katzen direkt vergleicht, habe ich nicht gefunden.

Mein Eindruck ist trotzdem nicht falsch. Er hat nur andere Gründe, als ich dachte.

Der erste ist schlicht das Alter. Große Hunde sterben deutlich jünger als kleine, sie altern regelrecht im Zeitraffer (Kraus et al., The American Naturalist, 2013). Viele erreichen gar nicht erst das Alter, in dem die Demenz richtig zuschlägt. Als Halterin von sechs Hunden, darunter eine Labrador-Hündin, die ihr Gehirn bislang vor allem für die Frage einsetzt, wo im Haus noch unbewachte Socken liegen, sage ich das mit einer gewissen Wehmut.

Der zweite Grund liegt in meiner Arbeitsweise. Alte Katzen sind genau die Patienten, die man nicht mehr gern in eine Box setzt und durch den Landkreis fährt. Also komme ich zu ihnen. Eine mobile Praxis sieht dadurch viele sehr alte Katzen.

Der dritte ist akustischer Natur. Übermäßiges Rufen, gerade nachts, gilt als eines der typischen Zeichen der Katzendemenz (Sordo und Gunn-Moore, Veterinary Record, 2021). Ein verwirrter Hund steht nach meiner Beobachtung eher still und verloren in der Ecke. Eine verwirrte Katze sitzt um drei Uhr morgens im Flur und ruft, als wäre das Haus abgebrannt. Das bemerkt man. Das erzählt man mir.

Und der vierte ist der biologische, siehe oben: Die Katze bildet das volle Bild mit Amyloid und Tau. Ob sie deshalb häufiger erkrankt oder nur deutlicher, kann derzeit niemand sagen.

Erst ausschließen, dann benennen

Bevor ich bei einer Katze das Wort Demenz in den Mund nehme, gehe ich eine Liste im Kopf durch. Die Fachliteratur nennt dieselben Kandidaten: Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion und Schmerzen, meist durch Arthrose, können genau die Verhaltensänderungen auslösen, die man einer Demenz zuschreibt (Sordo und Gunn-Moore, Veterinary Record, 2021).

Den Blutdruck messe ich deshalb bei jeder alten Katze mit Verhaltensänderung. Die Schilddrüse prüfe ich, weil eine Überfunktion zu Heißhunger, Unruhe und vermehrtem Rufen führt (Carney et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2016). Ein Kater, der vor der vollen Schüssel sitzt und nach Futter verlangt, kann also schlicht einen Kater mit zu viel Schilddrüsenhormon sein. Die Nieren untersuche ich, weil eine chronische Nierenerkrankung einer der häufigsten Wege zum Bluthochdruck ist.

Dann die Schmerzen. Arthrose ist bei älteren Katzen sehr häufig (Sordo und Gunn-Moore, 2021), und man sieht sie Katzen nach meiner Erfahrung oft kaum an. Hinter mancher „Unsauberkeit“ steckt keine Vergesslichkeit: Die Katze weiß sehr genau, wo das Klo ist, sie kommt nur nicht mehr über den hohen Rand. Nachlassendes Sehen und Hören gehören ebenfalls auf die Liste, und in manchen Fällen braucht es eine Kernspintomographie, um eine Erkrankung im Gehirn selbst auszuschließen (MacQuiddy et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2022).

Erst wenn all das abgeklärt oder behandelt ist und das Verhalten bleibt, spreche ich von einem kognitiven Dysfunktionssyndrom. Für die Einordnung gibt es ein Raster, das Veränderungen bei Lautäußerung, sozialem Kontakt, Schlafrhythmus, Stubenreinheit, Orientierung, Aktivität, Angst und Lernfähigkeit abfragt (Sordo und Gunn-Moore, 2021). Klingt bürokratisch. Hilft aber, weil Halter beim Durchgehen oft selbst merken, wie viel sich schon verändert hat.

Und wenn es einfach die Zähne sind?

Eine Ursache führe ich bewusst getrennt auf, weil sie so oft vergessen wird. Auch Tiere haben Zahnschmerzen. Und ich kenne diese Schmerzen aus nächster Nähe.

Mein Mann hatte vor ein paar Jahren eine Pulpitis, eine Entzündung des Zahnnervs. Nach mehreren Tagen ist er freiwillig 60 Kilometer in die Zahnklinik gefahren, weil er schlicht nicht mehr konnte. Er stand quasi schreiend im Bett, und die Schmerzmittel haben kaum etwas ausgerichtet. Ich habe in dieser Woche viel über meinen Mann gelernt. Vor allem, wie laut er sein kann.

Wehleidigkeit ist das nicht. Die irreversible Pulpitis, also die nicht mehr heilbare Entzündung des Zahnmarks, verursacht so starke Schmerzen, dass Betroffene nachts davon aufwachen, und sie gehört zu den häufigsten Gründen für zahnärztliche Notfallbehandlungen. Die Standardbehandlung ist keine Tablette, sondern die sofortige Entfernung des entzündeten Zahnmarks (Agnihotry et al., Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019).

Jetzt stellen Sie sich das bei einer Katze vor. Die Zähne und die gesamte Maulhöhle der Katze werden über Äste des Nervus trigeminus versorgt, des Drillingsnervs (Hailstone, Journal of Veterinary Dentistry, 2025). Es ist derselbe Nerv, der beim Menschen die Zähne versorgt (StatPearls, National Library of Medicine, 2025). Bei Frettchen ließ sich zeigen, dass eine Entzündung des Zahnmarks Nervenzellen im Trigeminussystem messbar aktiviert und das Verhalten der Tiere verändert (Chattipakorn et al., Pain, 2002). Der Schmerz landet also genau dort, wo er beim Menschen auch landet.

Nur: Eine Katze fährt nicht in die Zahnklinik. Sie schreit auch selten. In einer kanadischen Studie waren Katzen mit schweren Maulerkrankungen vor allem weniger aktiv, spielten weniger und hatten Mühe, Trockenfutter aufzunehmen (Watanabe et al., BMC Veterinary Research, 2020). Die Autoren schreiben, dass Schmerzzeichen bei Maulerkrankungen der Katze bis dahin kaum systematisch untersucht waren und dass unerkannte Schmerzen dazu führen können, dass erst behandelt wird, wenn sie schon schwer sind.

Erinnern Sie sich an den Kater vor der vollen Schüssel? Ein Kater, der hungrig vor seinem Futter sitzt und nicht frisst, kann auch einfach ein Kater sein, dem beim Kauen etwas höllisch wehtut.

Selten ist das nicht. Erkrankungen des Zahnhalteapparats waren in einer britischen Auswertung von über 18.000 Katzen die am häufigsten erfasste Erkrankung überhaupt, und das Risiko stieg mit dem Alter (O’Neill et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2023).

Wie eng Zahn, Nerv und Verhalten zusammenhängen, zeigt ein seltenes Krankheitsbild besonders deutlich: das feline orofaziale Schmerzsyndrom. In einer Fallserie von 113 Katzen, überwiegend Burmakatzen, litten die Tiere unter anfallsartigen, meist einseitigen Schmerzen im Maulbereich, bis hin zur Selbstverletzung der Zunge. Bei 63 Prozent waren Veränderungen im Maul vorausgegangen. Die Autoren vermuten eine Sensibilisierung der Nervenendigungen des Trigeminus, und herkömmliche Schmerzmittel wirkten oft nicht (Rusbridge et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2010).

In meiner Praxis habe ich es oft erlebt: Eine alte Katze, die als verwirrt, grantig oder „einfach alt“ galt, bekommt einen entzündeten Zahn gezogen, dessen Nerv nicht mehr zu retten war, und ein paar Tage später ist sie wie ausgewechselt. Sie frisst, spielt, sucht wieder Nähe. Das ist meine Beobachtung, keine Studie. Aber sie hat mich gelehrt, bei jeder alten Katze mit Verhaltensänderung erst ins Maul zu schauen, bevor ich über ihr Gehirn nachdenke. Die vollständige Zahnuntersuchung mit Röntgen mache ich bei Katzen in Narkose.

Kann man es verhindern?

Nein. Ich weiß, dass das niemand hören will, aber alles andere wäre gelogen. Es gibt keine Maßnahme, die nachweislich verhindert, dass ein Katzengehirn altert.

Hinauszögern ist eine andere Frage, und da wird es interessanter. In einer kontrollierten Studie bekamen 16 Katzen ein Futter mit einer Mischung aus Fischöl, B-Vitaminen, Antioxidantien und der Aminosäure Arginin, 16 weitere dasselbe Futter ohne diese Mischung. Die ergänzt gefütterten Katzen schnitten in kognitiven Tests besser ab (Pan et al., British Journal of Nutrition, 2013). Das ist ein echtes Ergebnis. Man muss nur dazusagen, dass die Studie vom Forschungszentrum eines Futtermittelherstellers stammt, an Katzen aus einer Forschungskolonie durchgeführt wurde und klein war. Ich halte die Richtung für plausibel. Ein Wundermittel ist es nicht.

Besser belegt ist beim Hund, dass die Kombination aus angepasster Ernährung und geistiger Beschäftigung mehr bringt als jede Maßnahme für sich allein (Milgram et al., Experimental Gerontology, 2004). Für Katzen fehlen vergleichbare Langzeitdaten, das Prinzip übertrage ich in meiner Praxis trotzdem. Futter, das man sich erarbeiten muss, statt es aus dem Napf zu schlabbern. Kurze Spielrunden, auch mit einer 16-jährigen Katze, auch wenn sie nur noch mit der Pfote nach der Federangel tippt. Feste Abläufe. Und so wenig Umbauaktionen wie möglich: Wer dement ist, verliert in einer umgeräumten Wohnung als Erstes den Weg zum Klo. Für Katzen, die nachts nach Futter schreien, empfehlen Sordo und Gunn-Moore übrigens einen Futterautomaten, der über die Nacht verteilt kleine Portionen freigibt (Veterinary Record, 2021). Eine erstaunlich simple Idee, die manchem Haushalt den Schlaf zurückgibt.

Und Kortison?

Die Frage kommt erstaunlich oft. Die Logik dahinter ist nicht dumm: Im dementen Gehirn laufen Entzündungsprozesse ab, Kortison hemmt Entzündung, also müsste es helfen.

Ich habe keine einzige Studie gefunden, die zeigt, dass Kortison den geistigen Abbau bei Katzen bremst.

Was es dagegen gibt, sind gut dokumentierte Risiken. Kortison kann bei Katzen einen Diabetes auslösen (Lowe et al., Journal of the American Animal Hospital Association, 2009; Nerhagen et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2021). Es kann außerdem Katzen in eine akute Herzschwäche mit Wasser in der Lunge treiben. In einer Fallserie trat das bei 12 Katzen innerhalb von 1 bis 19 Tagen nach der Kortisongabe auf (Smith et al., International Journal of Applied Research in Veterinary Medicine, 2004). Den Mechanismus hat eine Folgestudie geklärt: Kortison erhöht den Blutzucker, der Zucker zieht Wasser aus den Zellen in die Blutbahn, das Blutvolumen steigt. Ein gesundes Herz gleicht das aus, ein vorgeschädigtes nicht (Ployngam et al., American Journal of Veterinary Research, 2006).

Und vorgeschädigte Herzen sind häufiger, als man denkt. In einer britischen Untersuchung hatten 115 von 780 scheinbar gesunden Katzen eine hypertrophe Kardiomyopathie, eine Verdickung des Herzmuskels, von der niemand etwas wusste (Payne et al., Journal of Veterinary Cardiology, 2015).

Kortison auf Verdacht, „weil es ja entzündungshemmend ist“, gebe ich einer alten, verwirrten Katze deshalb nicht. Anders sieht es aus, wenn hinter dem Verhalten eine andere Ursache steckt, etwa ein Tumor mit Schwellung im Gehirn. Dann kann Kortison nach meiner Erfahrung für eine Weile spürbar Luft verschaffen. Das ist aber eine Behandlung dieser Ursache, keine Demenztherapie.

Welche Medikamente es gibt

Für Katzen ist in Deutschland kein Medikament gegen kognitiven Abbau zugelassen. Alles, was wir einsetzen, setzen wir außerhalb der Zulassung ein, im Rahmen der sogenannten Umwidmung nach Art. 112 VO (EU) 2019/6. Das ist legal und manchmal sinnvoll. Es bedeutet aber auch, dass die Datenlage dünn ist, und Katzen verstoffwechseln viele Wirkstoffe anders als Hunde. Was beim Hund sicher ist, kann für eine Katze giftig sein (Landsberg et al., Journal of Feline Medicine and Surgery, 2010).

Selegilin, ein Wirkstoff, der den Abbau bestimmter Botenstoffe im Gehirn bremst, ist in Deutschland unter dem Namen Selgian für Hunde zugelassen. Die Zulassung lautet übrigens nicht auf Demenz, sondern auf angstbedingte Verhaltensprobleme emotionalen Ursprungs. Bei Katzen wird es außerhalb der Zulassung eingesetzt, klinische Belege für seine Wirksamkeit bei Katzen fehlen jedoch (Landsberg et al., 2010).

S-Adenosylmethionin, kurz SAMe, eine körpereigene Substanz, die als Ergänzungsmittel erhältlich ist, verbesserte in einer Studie bei Katzen die sogenannten exekutiven Funktionen, also das Umdenken und Problemlösen, allerdings vor allem bei weniger stark betroffenen Tieren und ohne Wirkung auf das Gedächtnis (Araujo et al., International Journal of Applied Research in Veterinary Medicine, 2012). Auch diese Studie hat ein Hersteller finanziert.

Und dann gibt es eine kleine Ironie, die zu der Durchblutungsfrage passt wie die Faust aufs Auge. Propentofyllin, bekannt als Karsivan, ist für Hunde bei „Durchblutungsstörungen im zerebralen und peripheren Bereich“ zugelassen und wird genau mit diesem Argument oft bei alten Tieren eingesetzt. Ausgerechnet dieses Durchblutungsmittel hat eine besonders dünne Beweislage. In der einzigen randomisierten Vergleichsstudie bei alten Hunden zeigte es keinen messbaren Effekt (Siwak et al., American Journal of Veterinary Research, 2000). Studien bei Katzen habe ich nicht gefunden.

Was bleibt, ist unspektakulär, aber wirksam: die Ursachen behandeln, die sich behandeln lassen. Einen zu hohen Blutdruck senken, die Zürcher Zahlen oben zeigen, was das bringen kann. Eine Schilddrüse einstellen. Schmerzen nehmen. Für die nächtliche Unruhe setze ich im Einzelfall schlaffördernde oder beruhigende Mittel ein, bei manchen Katzen mit gutem Erfolg. Kontrollierte Studien, die das für demente Katzen belegen, gibt es nicht, und das sage ich den Haltern auch so.

Wenn der Punkt erreicht ist

Irgendwann ist ausgeschlossen, was auszuschließen war, der Blutdruck ist eingestellt, das Futter ist angepasst, und die Katze sitzt trotzdem jede Nacht im Flur und schreit. Und irgendwann sitzt ihr Mensch am Küchentisch, seit Monaten ohne eine Nacht durchgeschlafen, und fragt sich, ob er ein schlechter Mensch ist, weil er nicht mehr kann.

Nein. Ist er nicht.

Ich halte es für ehrlicher, das auszusprechen, statt so zu tun, als gäbe es nur das Leiden des Tieres. Eine Beziehung zwischen Mensch und Tier hat zwei Seiten, und wenn eine davon zerbricht, leidet die andere mit. Eine Katze, deren Mensch vor Erschöpfung gereizt, traurig und dünnhäutig geworden ist, lebt nicht besser.

Die wichtigere Frage bleibt aber die nach der Katze selbst. Wirkt sie in ihrer Verwirrung ängstlich, sucht sie ständig, findet sie nicht mehr zur Ruhe? Oder ist sie vergesslich, aber zufrieden, liegt tagsüber auf der Ofenbank und genießt ihre Streicheleinheiten? Das ist ein enormer Unterschied. Eine alte Katze darf vergesslich sein. Sie darf auch mal vor der Wand stehen. Was sie nicht muss, ist sich jeden Abend verloren fühlen.

Ich rate Haltern in dieser Phase zu etwas ganz Einfachem: einem Kalender. Jeden Abend ein Zeichen für einen guten Tag oder einen schlechten. Nach ein paar Wochen sieht man schwarz auf weiß, was man im Alltag nicht sehen will, oder man stellt erleichtert fest, dass die guten Tage noch deutlich überwiegen. Beides ist eine Antwort.

Zwischen den guten und den schlechten Tagen liegt eine Grauzone, und in ihr gibt es keine Formel. Die internationalen Leitlinien zur Betreuung am Lebensende beschreiben diese Phase ausdrücklich als gemeinsame Aufgabe von Tierarzt und Halter, mit dem Ziel, das Wohlbefinden des Tieres so lange wie möglich zu erhalten und Leiden so gering wie möglich zu halten (Bishop et al., AAHA/IAAHPC End-of-Life Care Guidelines, Journal of the American Animal Hospital Association, 2016). Genau so arbeite ich.

Es gibt aber auch harte Grenzen, bei denen ich nicht mehr von Abwägung spreche. Schmerzen, die sich mit nichts mehr lindern lassen. Eine Katze, die dauerhaft nicht mehr frisst. Eine Katze, die in ihrem eigenen Zuhause Tag und Nacht in Angst lebt. Das Tierschutzgesetz stellt den Grundsatz voran, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf (§ 1 Satz 2 TierSchG). Und die Leitlinien werden an dieser Stelle sehr deutlich: Lassen sich Schmerzen und Leiden mit keinem anderen Mittel mehr lindern, gilt es als unethisch, einem Tier die tiefe Sedierung oder den sanften Tod vorzuenthalten (AAHA/IAAHPC, 2016).

Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann ist es keine Niederlage und kein Verrat, eine Katze gehen zu lassen. Es ist der letzte Dienst, den wir einem Tier erweisen können, das uns ein Leben lang vertraut hat. Bei einer alten Katze, die ihr Zuhause kaum noch verlässt, hat es für mich eine besondere Bedeutung, dass sie dort gehen darf, wo sie sich sicher fühlt. Auf ihrer Decke. Auf ihrer Ofenbank.

Was ich dem Jäger gesagt habe

Beim ersten Mal nur „mhm“. Beim zweiten Mal, ein paar Tage später am Telefon, etwas mehr. Dass ich zuerst den Blutdruck messen würde. Dann die Schilddrüse und die Nieren untersuchen. Und dass ich seinem Kater sehr genau ins Maul schauen würde. Und dass erst danach die Frage kommt, ob sein Kater dement ist oder einfach sehr alt und an ein paar behandelbaren Stellen krank. Vielleicht hat er schlicht Zahnweh.

Er hat eine Weile geschwiegen. Dann sagte er: „Dann is er vielleicht gar ned dement.“ Ich habe geantwortet: „Vielleicht. Und vielleicht doch. Aber dann wissen wir es wenigstens.“

Ich glaube, das war die ehrlichere Antwort als die, die ich ihm im Hausflur fast gegeben hätte. Das Alter selbst ist keine Krankheit. Aber es ist auch keine Ausrede, nicht mehr hinzusehen.